Weniger ist mehr - Argumente und Tricks für weniger unnötigen Konsum und Besitz

Wer viel besitzt verliert schnell den Überblick. Aus zwei Rührgefäßen werden schnell auch drei oder vier. Bei Tassen, Schüsseln und Aufbewahrungsdosen neigt man schnell dazu, nie genug zu haben und doch jedes Teil für sich irgendwie praktisch zu finden. Wieder andere Gegenstände hat man geschenkt bekommen und nutzt sie eigentlich nie. Bei manchem Gerät denkt man, man würde es irgendwann brauchen. Doch wenn man ehrlich ist, wird dieser Fall wahrscheinlich nie eintreten. Genau so sammeln sich in unseren vier Wänden zahlreiche Dinge, die uns Platz nehmen, ohne einen wirklichen Zweck zu erfüllen. So entsteht am Ende vor allem eines: viel Abfall. Die folgenden Überlegungen können dabei helfen, zu weniger unnötigem Besitz zu kommen und dabei zu bleiben.

Viel hilft nicht viel.

In der Küche können viele Gegenstände nervig werden, wenn man an andere nicht mehr heran kommt, ohne sie aus dem Weg räumen zu müssen. Im Kleiderschrank führt zu viel Kleidung dazu, dass man den Überblick verliert und bei nächsten Bummel versehentlich Kleidungsstücke kauft, die man gar nicht gebraucht hätte. Insgesamt macht es „zu viel von allem“ schwierig, Dinge bei Bedarf wieder zu finden.

Unnötiger Besitz kann zur Last werden. Alles, was man besitzt, muss irgendwo aufbewahrt und möglicherweise noch gepflegt und irgendwann auch entsorgt werden. Zusätzlich kostet er bares Geld. Es ist weit verbreitet, aus Langeweile oder Frust Geld für Dingen auszugeben, die vermeitlich Ablenkung und Freude bereiten, wenngleich solche Effekte maximal von kurzer Dauer sind. Konsum löst selten Probleme.

Mit Überblick gegen Verschwendung.

Wer seinen Besitz und vor allem seinen Bedarf genau kennt, bemerkt schnell, dass er womöglich mit deutlich weniger auskäme. Jeder, der schon einmal seinen Besitz in Kisten verräumt hat, weiß, dass man vieles davon nach wenigen Stunden schon nicht mehr vermisst. Um unnötige Verschwendung zu vermeiden hilft es also, sich erst einmal einen Überblick über das zu verschaffen, was man hat. Im Anschluss kann man sich bei jedem Gegenstand fragen, ob man ihn wirklich braucht oder noch einmal brauchen wird. Wer sich das selbst fragt und auch ehrlich beantwortet, kann sich in der Regel von vielen Besitztümern trennen. Eine Küche kann so geräumiger werden, ein Kleiderschrank übersichtlicher.

Der Überblick und das Ausmisten haben vor allem zwei positive Effekte: Zum einen hilft das bewusste Hinterfragen des eigenen Bedarfs dabei, den  Fokus auf das Wesentliche -das, was man wirklich braucht- zu lenken.  Der gewonnene Überblick hilft dabei, die Neigung für den Kauf unnötiger Dinge zu senken. Wer bedenkt, dass er alles, was er kauft, verräumen oder irgendwann entsorgen muss, überdenkt jeden Kauf zweimal. Zum anderen spart dieses Vorgehen bares Geld. Der ein oder andere, der schon einmal seinen Besitz deutlich reduziert hat, wird auch bestätigen, dass weniger Besitz befreiend sein kann. Weniger Gedanken um Besitz und Konsum können dabei helfen, sich automatisch mehr auf Freundschaften und Hobbys zu kümmern, die weniger mit materiellen Aspekten verbunden sind.

Was, wenn man sich nicht einfach von seinem Besitz trennen kann? Natürlich hängt man an vielen Dingen und besitzt sie auch deshalb noch. Es hilft jedoch, zwei Kategorien von unnötigem Besitz zu unterscheiden. An vielen Dingen hängt man wirklich. Das sind Geschenke geliebter Menschen oder Dinge, mit denen man besondere Erlebnisse und Erfahrungen verbindet. Hier ist es in der Regel Quatsch, sich von ihnen zu trennen. Es gibt jedoch eine zweite Kategorie und diese besteht aus den Gütern, für einst mal viel Geld bezahlt wurde, obwohl sie heute nicht mehr genutzt werden. Im ökonomischen Sinne würde man von sunk costs sprechen. Das Geld, was für diese Gegenstände ausgegeben worden ist, ist weg.  Aber allein der Gedanke, einmal Geld für etwas ausgegeben zu haben, hält viele Menschen davon ab, sich von etwas zu trennen. Dass es nicht mehr benötigt wird, Platz wegnimmt und das Geld dafür sowieso bereits weg ist und (ohne einen Verkauf) nicht zurück kommt, verliert dabei an Gewicht. Rein wissenschaftlich gibt es dafür viele Erklärungen. So ist es zum Beispiel bekannt, dass Menschen dazu neigen, alles so halten zu wollen, wie es ist. In der Verhaltensforschung nennt man das status quo bias. Wenn man sich dies jedoch beim Ausmisten bewusst vor Augen führt, unterstützt es einen bei dem einen oder anderen Gegenstand womöglich doch dabei, sich klar zu machen, warum man ihn überhaupt behalten möchte.

Schließlich gilt auch, dass jemand, der ausmisten möchte, nicht alles Unnötige an einem Tag entsorgen muss. Man kann schrittweise bei den aller unnötigsten Besitztümern starten und sich nach und nach von allem trennen, was man nicht mehr braucht. Man kann raumweise vorgehen oder alles, wobei man sich nicht sicher ist, ob man es vielleicht noch braucht, in Kisten verräumen und es nur dann noch herausholen, wenn man es tatsächlich braucht. Bei allem, was nach einem Jahr nicht vermisst wird, fällt die Trennung dann deutlich leichter. Taktiken zum Ausmisten, gibt es viele, und wie man dabei vorgehen möchte, ist eine persönliche Sache. Besonders bei Gegenständen, die noch einen Wert haben, muss man diese auch nicht wegwerfen. In Kaarst gibt es verschiedene Stellen, die sinnvolle Sachspenden annehmen (z.B. Kaarster Helfen e.V., Büchermarkt VHS Kaarst). Auch Plattformen wie Ebay-Kleinanzeigen können helfen, unnötiges Wegwerfen zu vermeiden und unnötigen Besitz dorthin zu geben, wo er nicht mehr unnötig ist.